Ritteindrücke einer Wanderreiteinsteigerin

von Stefanie Beckmann

Am ersten Novemberwochenende fand vom 3.-4.11.2018 im Havelland der 6. Diademhof-Kurier-Ritt als VFD-Veranstaltung statt. Insgesamt 21 Freunde der präfossilen Mobilität hatten sich mit ihren vierbeinigen Reisegefährten am Vortrag oder direkt am ersten Reittag auf dem Diademhof in Hennigsdorf/OT Nieder Neuendorf im ständigen Wanderreitlager der Organisatorin Susanne von Gersdorff eingefunden.

Mein Wanderreitpferd, Golem, und sein Spannemann, Jaris, nach dem Abladen. Man hilft sich gern beim Transportieren und so kommt jeder ans Ziel. Hier war am Samstagmorgen der Startpunkt und hier warteten am Sonntagabend die Trailer darauf die mit Eindrücken vollen Pferd-Reiter-Paare mitsamt ihrer Wanderreitausrüstung wieder in ihre Heimatställe zu bringen. Vorweg: Alle sind munter und gesund nach zwei vollen Reittagen (Tagesritten), unterbrochen von fröhlichen Pausen und einer Übernachtung in Velten, wieder auf dem Diademhof eingetroffen.
Ich war Teil der Gruppe unter VFD-Rittführer Stefan Wöhrlich, der einer von drei Rittführern auf diesem Einsteigerwanderritt war. Unsere Gruppe ritt pro Tag etwa 35 Kilometer bei mittlerer Geschwindigkeit, die Gruppe von VFD-Rittführerin Ute Schüler legte insgesamt 50 Kilometer in angenehmem Tempo an zwei Tagen zurück und VFD-Organisatorin Susanne von Gersdorff führte die dritte und größte Gruppe an, die sich für auch weniger trainierte Pferde und ihre Reiterinnen eignete. Am Ende zählten eh nicht die Kilometer, sondern das einzigartige Gefühl sich freundschaftlich verbunden in der Gruppe die Landschaft zu erobern.

Die Strecke führte an der Havel entlang durch die Pferdedörfer Schönwalde, Marwitz und Bötzow und endete im schmucken Velten, das allein auch vier Reiterhöfe vorzuweisen hat. An diesem Wochenende konnte ich förmlich spüren, was mit dem Slogan vom Pferdeland Brandenburg gemeint ist. Wie zu Zeiten vor Erfindung des Benzinmotors bewegten sich Einzelreiter bis hin zu kleineren Gruppen durch das sanfte Gelände, geprägt von Wiesen, Wäldern, Feldern. Sogar eine Kutschenformation trafen wir, vorn und hinten gerahmt von je einem bildhübschen Shirehorse, stilvoll begleitet von zwei Jack Russelterriern.

Rund um Wansdorf trafen wir diese Gruppe Pferdefreunde. Vornweg ging noch ein schimmliger Shire.
Mit Genuss verfolgte ich den beiderseitig eingeübten respektvollen Umgang miteinander, wir parierten in Sichtweite vom Galopp oder Trab in den Schritt durch, grüßten die anderen Reiter und plauderten das ein oder andere mal. Als etwas größere Gruppe, die wir organisierten Wanderreiter mitunter sind, fallen wir auf und haben so manch eine Frage zu beantworten.

Für meinen ersten mit Bravour gemeisterten Gruppengalopp bekam ich wie auch alle anderen „Survivers“ ein kleines Marzipanherzchen.
Bis zum Lagerfeuergulasch hielten wir jetzt umso besser durch. In Velten angekommen, durften wir unsere Pferdesachen ins Tipi schmeißen, wo sich noch ein Übernachtungsplatz für eine Teilnehmerin des Rittes ergab. Alle Anderen übernachteten entweder in einer Ergotherapie-praxis am Ort, im Hotel oder im Wagen. Jedem wie es beliebte. Am Morgen war das gegenseitige Abfragen der Übernachtungserlebnisse schon mal ein Frühstücksthema. Aber unter Pferdeleuten geht der Gesprächsstoff eigentlich nie aus. Pferde, Menschen, bei Wanderreitern kommt noch die Landschaft hinzu, die Ritterlebnisse – da kann man 1001 Nacht durchquatschen!

Am Ende des Wanderrittes hatte mein Traber 70 Kilometer in den Beinen, ließ sich vergnügt aufladen und wieder abladen und bis zum nächsten Ritt sind erst mal die Packtaschen im Schrank verschwunden – aber nicht sehr tief vergraben, denn ein neues Hobby ist entdeckt: Das Wanderreiten. Es stellt für mich eine gelungene Kombination von sportlichen Herausforderungen, Naturerlebnissen und Lagerfeuerromantik dar. Der Erholungseffekt stellte sich bei mir am nächsten Tag ein, das quirlige Berliner Groß-stadtleben und seine Stadtneurotiker waren mit leichter Schulter zu wuppen.

Guten Ritt Euch mit der VFD!